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7 Drei lange Wochen in Coyhaique


26.01.04 - 15:06 Uhr - Chile / Coyhaique
Die Krankengeschichte


Ich steuere mit Mark morgens um 10 Uhr das Krankenhaus in Coyhaique an. Wir wollen wissen, ob unsere Blessuren ernst zu nehmen sind. Erst einmal 10.000 chilenische Pesos (ca. 14 Euro) heisst es. Das ist nur fuer den ersten Arztkontakt. Roentgenbilder kosten extra. Ich leiste mir 3 Aufnahmen fuer meinen Brustkorb, macht zusammen 46.000 Pesos. Mark ist etwas aufwendiger zu fotografieren. Er benoetigt 3 Aufnahmen fuer seine Hand und seine Schulter muss auch noch mit einigen Bildern in Szene gesetzt werden. Noch einmal 70.000 Pesos werden faellig. Gerade erst Geld umgetauscht und schon wieder Pleite! Egal, die Gesundheit geht vor.

In Argentinien waere das alles voellig umsonst gewesen. Das muss man sagen, der Argentinischen Wirtschaft geht es wirklich dreckig, aber die aerztliche Grundversorgung ist bestens geregelt.

Mit einem Haufen von Bildern pilgern wir wieder durch das Hospital und werden bereits vom Arzt erwartet. Er betrachtet meine Rippen und stellt einige Haematome fest. Nichts gebrochen! Die Schmerzen seien die gleichen wie bei einem Bruch, aber alles halb so wild. Er verschreibt mir einige Schmerztabletten und meint in 14 Tagen sei alles wieder in Ordnung. Nicht so bei Mark, leider! Die Schulter ist etwas gelblich geworden, OK......aber der Daumen, er ist gebrochen. Scheisse! Damit hatten wir nicht gerechnet. Ohne Gips ist nichts zu machen, heisst es. 3 Wochen, meine Guete......Dann gibt es jetzt aber einiges zu regeln. Hier im Krankenhaus versteht so gut wie keiner auch nur ein Wort Englisch, aber wir kommen irgendwie durch. Dann findet sich ploetzlich ein Augenarzt, der gute Deutschkenntnisse hat, perfekt! Er vermittelt und uebersetzt. Es wird ueber Operation mit Vollnarkose gesprochen. Leider kann er zur fachlichen Situation nichts sagen und wir muessen einfach vertrauen. Das Krankenhaus macht aber insgesamt einen sehr guten Eindruck. Da wir zwischen einzelnen Wartestationen zwischendurch Kaffee und Kuchen zu uns genommen haben, ist an eine OP heute nicht mehr zu denken. So bekommen wir einen Termin fuer den naechsten Tag um 8.30 Uhr.

Wir setzten und spaeter noch mit dem ADAC, unserer Auslandskrankenversicherung, in Verbindung, denn ohne Cash laueft hier gar nichts! Wir faxen dem ADAC eine Kostenauflistung und rufen gleichzeitig dort an. Der Spass soll ca. 1200 US Dollar kosten. "Machen sie sich keine Sorgen, wir setzten uns mit dem Krankenhaus in Verbindung und werden fuer die Kosten aufkommen.", schallt es aus dem Hoerer. Genial, das funktioniert ja bestens! Unser Eindruck: Durch die geklaerte Kostenuebernahme werden wir bevorzugt behandelt. Wir kommen ueberall durch, obwohl es hier so voll ist, wie auf dem Strassenverkehrsamt.

27.01.04
Wir treffen um halb 9 im Hospital ein. Mark bekommt ein Bett zugewiesen und laesst einige Untersuchungen ueber sich ergehen. Um 14 Uhr kommt der Anaesthesist. Kurze Zeit spaeter heisst es: "uno, dos, tres....sleep! Mark taucht in die Vollnarkose ab. 30 Minuten spaeter wird er bereits wieder wach und hat alles hinter sich gebracht. Der Gips ist auch schon dran. Er soll sich noch zwei Stunden lang erholen und wird um halb 6 entlassen. Um 6 sitzen wir bereits bei Kaffee und Kuchen im naechsten Strassencafe. Eben noch ne Vollnarkose und jetzt bei Kaesesahne mit Schokocreme, das hat Stil! Frueher war das alles einmal aufwendiger! In zwei Tagen soll er nochmal zur Untersuchung erscheinen und dann bekommt er entweder einen neuen Gips, oder mit viel Glueck eine Art elastische Binde.

Noch sind wir in einer Hospidaje untergekommen, aber das geht ganz schoen ins Geld und wir muessen uns ueber kurz oder lang nach einer anderen Alternative umsehen. Sehr positiv zu erwaehnen ist aber, das der ADAC ein Fax mit einer garantierten Kostenuebernahme an das Krankenhaus geschickt hat. Sehr unkompliziert.

So, morgen gehts weiter, dann wissen wir mehr. Inzwischen lassen wir uns bei dem Schrauber, der Mark's Alukiste wieder neu falten kann, groessere Platten an unsere Seitenstaender schweissen und wir richten die Verkleidung und inspizieren einige andere Sachen an unseren Motorraedern.

Bis die Tage und sonnige Gruesse aus Coyhaique

Klaus/Mark


23.02.2004 - 15:06 Uhr - Chile / Coyhaique
Die Zeit in Coyhaique

Aufwachen heisst es nach 10 Tagen des rumraetselns ueber den weiteren Reiseverlauf, sowie vielleicht langsam aufkommender Enttaeuschung.
Jetzt stecken wir mittendrin in unserer Reise, vielleicht mehr als je zuvor...
Eine Strichliste auf meinem Gips verraet, die ersten 7 Tage sind rum. Insgesamt muss ich das gute Stueck 3 Wochen lang tragen. Diese Zeit scheint einem unendlich lang vorzukommen, waren wir es doch bisher gewohnt, fast taeglich die Unterkuenfte, sowie auch die Orte zu wechseln.

An ein Weiterfahren mit dem Gips ist ersteinmal nicht zu denken. Nach einer Probefahrt musste ich feststellen, die noetige Stabilitaet, sowie ein sicheres Fahrgefuehl nicht aufbringen zu koennen. Es heisst also warten, bis mindestens 20 Striche auf dem Gips gezeichnet sind.

Zehn ganze Tage haben wir in ein und derselben Hospedaje zugebracht, in staendiger Ueberlegung doch noch auf irgend eine Weise die Stadt verlassen zu koennen.
Spekuliert haben wir, mit dem Schiff in Richtung Puerto Mont oder mit einem LKW bis zur argentinischen Grenze zu fahren. Argentinien waere in unserem Fall die bessere Wahl, sind dort die Lebenhaltungskosten doch um ein vielfaches guenstiger als in Chile. Dennoch ist es nicht ganz einfach einen LKW nach Argentinien zu finden und mit ihm und den beiden Motorraedern das Land zu verlassen. Gar nicht auszudenken, was das Stempelkissen der Grenzbeamten dazu sagen wuerde...
Die zweite Idee (die Schiffsfahrt nach Puerto Mont) wuerde ein zu grosses Loch in unsere Reisekasse reissen, kommt somit also auch nicht in Frage.

Jetzt galt es nur noch die Hospedaje gegen einen Zeltplatz zu wechseln, der laut Touristeninformation gar nicht in Coihaique existieren soll. Eine kleine Mopedtour heute zu zweit auf einer Maschine hat uns eines besseren belehrt. Wir haben einen Zeltplatz nur 400 Meter von unserer Behausung entfernt gefunden. Hinter einer Hospedaje, ganz schoen versteckt auf einer gruenen Wiese, koennen wir unser Zelt aufbauen und endlich wieder unseren Benzinkocher benutzen.

Auf Dauer gehen die fuer unsere Verhaeltnisse noch bezahlbaren Hospedajen (kleines Zimmer mit Bad auf dem Flur) ganz schoen ins Geld; hier fehlt es einfach auch an der Moeglichkeit der Selbstversorgung. Mit einem Benzinkocher kann man doch so manches Festmahl zubereiten, auch der Kaffee zwischendurch ist ebenfalls fast umsonst.

Nach 5 Tagen haben auch Axel und Angela ihre Weiterreise in Richtung Norden aufgenommen, wir hingegen muessen darauf leider noch ein wenig warten...Im uebrigen moechte ich mich bei den Beiden nochmal fuer alles bedanken, bestimmt treffen wir uns an anderer Stelle etwas weiter noerdlicher wieder. Ein "Uebel" hat uns Axel allerdings hinterlassen, seine komischen Karamelbonbons...Klaus hat sich beim herzhaften draufrumkauen ein Stueck Zahn abgebrochen und musste daraufhin selbst Zahnarzt spielen...Bei dem Gedanken an die teuren Aerzte hier, hat er sich den Rest des guten Stuecks lieber selbst gezogen...

Die bisherige Zeit haben wir uns mit kleinen Reparaturen an meinem Motorrad vertrieben, darunter faellt das geradebiegen der Verkleidung sowie das Abdichten meines wiederhergestellten Koffers.

Der Koffer hat ein zweites Leben geschenkt bekommen, denn er ist auf unglaubliche Weise von einem wirklichen Alukuenstler in seiner Werkstatt wieder zum Leben erweckt worden. Dabei haben wir uns gleich dickere Platten unter unsere Seitenstaender schweissen lassen, von nun an sollte die Twin beim abstellen nicht mehr so einfach im Sand versinken.
Der Koffer wurde von Grund auf neu aufgearbeitet, aus der zerquetschten Coladose ist wieder ein ganzer Kasten geworden...unglaublich!

Die uebrige Zeit vertreiben wir uns mit dem erlernen der spanischen Sprache. Da hier wirklich jeder nur spanisch versteht, muessen wir unsere VHS Kenntnisse dringend aufbessern...jetzt heisst es: Vokabeln pauken und ein wenig Grammatik dazu lernen...Ein Erfolg ist schnell sichtbar, freuen wir uns doch jedesmal eine neu erlernte Vokabel in die taeglichen Smalltalks mit einzubauen. So langsam werden es schon "kleine" Unterhaltungen...

Was sollen wir uns beschweren, mitten in Chile in der 40000 Einwohner zaehlenden Regionalhauptstadt bei ca. 30 Grad zu sitzten und wirklich gutes Eis zu schluerfen...
Uns gehts gut, wir koennen von nun an wieder selber kochen und haben eine preiswerte Uebernachtungsmoeglichkeit gefunden .
In ca. 2 Wochen gehts weiter, dann starten wir Richtung Argentinien und moechten Esquel, el Bolsen und Bariloche bereisen. Von nun an gibt es keine Termine mehr, wir koennen tun und lassen was wir wollen...
Also,

Hasta luego sagen

Mark und Klaus



15:06 Uhr - Chile / Coyhaique
Der Gips ist ab...


Wir sind wieder unterwegs!
Nach drei Wochen Zwangspause in Coyhaique koennen wir endlich wieder unsere Motorraeder satteln und zu neuen Orten aufbrechen. Aber schoen war die Zeit ohne die Bikes trotzdem. Das Wetter war ueberwiegend sonnig, es gab kein Regen und wir hatten fast jeden Abend Unterhaltung durch neu ankommende Gaeste auf dem Campingplatz. Ja, wir haben hier viele kommen und gehen sehen…………
So trafen wir unter anderem Jochen und Eva aus Deutschland. Sie sind mit ihrem Toyota Jeep fuer ein Jahr unterwegs und haben uns viele schoene Dschungel-Geschichten aus Peru erzaehlt. Andere Reisende kamen aus Israel, Amerika, Chile, usw.

Peru muessen wir uns leider abschminken, denn dazu reicht die uns verbleibende Zeit jetzt leider nicht mehr. Suedamerika ist einfach zu gross und vor allem zu schoen, um nur Kilometer zu machen und an den Highlights vorbeizurauschen. Auf einmal wirkt ein halbes Jahr doch recht mager und es waere schoen noch einmal die doppelte Zeit zur Verfuegung zu haben. Nun gut, vielleicht gibt es ja irgendwann noch ein zweites Mal.

An den Wochenenden war meistens irgend ein groesseres Event in oder auch ausserhalb der Stadt. So waren wir einmal beim PATAGONICA-ELECTRONIC-FESTIVAL an einem nahe gelegenen Fluss. Der Eintritt war sogar kostenlos und die Umgebung fuer eine solche Veranstaltung atemberaubend. Umringt von den Bergen, (es haette uns nicht gewundert, wenn hier ploetzlich Winnetou aufgetaucht waere) konnte man sich bei heissen 30 Grad im Schatten am Fluss erfrischen und beim Picknicken der Musik lauschen, welche allerdings fuer unseren Geschmack grauenhaft war. Techno und dazu noch schlecht gemacht, ist einfach nicht unser Ding. An einem anderen Wochenende waren wir auf der EXPO-PATAGONICA. Hier gab es vieles ueber einheimische Produkte, wie z.B. die Schafs- und Viehzucht, die Holzverarbeitung, sowie andere typische Produkte aus der Region Aisen zu erfahren.

So verbringen wir die Tage in Coyhaique und warten darauf, dass Mark`s Strichliste auf dem Gips immer voller wird. Fast jeden Abend machen wir ein Lagerfeuer und manchmal schmeissen wir noch das Grillrost obendrauf. Viele neue Campinggerichte entstehen und wir haben endlich die Zeit unsere Buecher auszulesen. Mein derzeitiges Buch "Die Saeulen der Erde" hat genau die richtige Laenge.
Irgendwann treffen wir Mark`s OP-Arzt in der Konservenabteilung des riesigen Supermarktes. Auf Mark`s Bitte, den Gips ein paar Tage frueher ablegen zu duerfen, reagiert er mit Kopfschuetteln. "20 Tage musst du ihn tragen, weniger nicht und feilschen gilt auch nicht!", so der Doc.

Nachdem 19 Striche den Gips zierten, entschieden wir uns fuer die Abnahme. Mit Rohrzange und Eisensaege erledigen wir das Biest. Der entbloeste Daumen macht einen recht steifen Eindruck und laesst sich zunaechst ueberhaupt nicht bewegen. So haengen wir noch einen weiteren Tag mit Reha-Massnahmen dran und Mark bringt das Ding unter warmen Wasser ein bisschen in Schwung. Zum fahren wird's reichen!

Den letzten Abend verbringen wir mit zwei BMW Fahrern aus Ravensburg. Sie wussten bereits von anderen Travellern, dass wir hier feststecken. Die Welt ist mal wieder klein!
Der Abend wurde feucht-froehlich und wir sanken erst gegen 2 Uhr in die Schlafsaecke.

Hasta luego

Klaus/Mark


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