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6 Die Routa 40 und ihre Folgen


27.01.2004 - -5:22 Uhr - Argentinien
Routa 40


Am naechsten Morgen brechen wir um 9 Uhr morgens zur naechsten Etappe auf. Unser Tagesziel: Die Stadt "Perito Moreno" Es sollen heute 250 Km werden und wir geben alles, um uns auf den Boecken zu halten. Warum tun wir das eigentlich? Zwischendurch kommen immer wieder solche Gedanken auf, doch die Weite und die Landschaft ist einfach einmalig.
Der Wind blaest dir direkt ins Gesicht, du fuehlst dich frei, wach und auch gluecklich! Keine anderen Sorgen mehr! Du setzt dich der Natur aus und musst nur die unmittelbar bevorstehende Situation meistern.

Wir schreiben Kilometer 14 und treffen wieder die zwei Schweizer Maedels mit ihren Fahrraedern. Sie waren heute schon um 6 Uhr morgens gestartet und haben fuer diese 14 Kilometer 3 Stunden benoetigt!!! Zum Glueck muss man nicht alles verstehen! Trotzdem, sie hatten ein nicht zu uebersehendes Laechlen auf ihren Gesichtern.
Spaeter treffen wir auf drei brasilianische Motorradfahrer. Einer von ihnen hatte sich bei der ganzen Schuettelei tatsaechlich die Mutter von der Hinterradnabe abgeruettelt, nicht zu fassen!

In Baja Caracoles machen wir Rast und wollen tanken. Die erste Moeglichkeit nach ueber 350 Km Einsamkeit. Dort stossen wir auf vier deutsche Harley Davidson Fahrer. Wie kann dass denn sein? Sie erklaeren uns, dass sie im Auftrag von Harley das Material testen sollen. Es geht also nicht ums Vergnuegen, sondern um harte Maennerarbeit. Einer der vier: "Meist Du, wir wuerden freiwillig mit so ner Schweinekarre hier durchfahren?" Langsam fangen wir an zu verstehen. Der Fotograf unter ihnen hat als Einziger fuer diesen Zweck einen Crossumbau zur Verfuegung, damit er den anderen vorrausfahren kann, um sie dann spaeter abzulichten, wie sie sich teilweise mit Schrittgeschwindigkeit durch den Kies wuehlen. Ihre Berichte geben sie taeglich per Satelitentelefon durch. Mehr Info's gibt's unter www.wwag.com

Nach ein paar Sandwiches plus Cola machen wir uns wieder auf den Weg. Noch 120 Kiometer Piste. Irgendwann verschwindet Mark aus dem Rueckspiegel. Er hat sich hingelegt. Der Kies war zu tief. Ein Polizeiauto haelt an und Mark faengt an zu winken. Sie winken zurueck! Dann winkt Mark heftiger und sie halten endlich an. Vier Uniformen verlassen das Auto und einer fragt mit starker Stimme: "What happends?" Mark erklaert seine Situation, doch jetzt versteht keiner mehr ein Wort Englisch. Vielleicht koennen wir die Maschine ja gemeinsam aufheben, signalisiert Mark. Ach so ja gut. Es geht wieder weiter.

Nur ca. 8 Kilometer vor Ankunft in Perito Moreno erwischt es dann mich. Eine heftige Windboe treibt mich auf die rechte Seite und ich bin nicht mehr in der Lage die Karre auf Kurs zu halten. Ich fliege zunaechst nach links und schlage dann noch nach rechts rueber. Jetzt sind auch meine Alukoffer wieder schoen undicht! OK, es gibt Schlimmeres, nur bloed ist, dass ich mir ein paar Prellungen zugezogen habe. Besonders die Rippen machen sich bemerkbar und ich beschliesse, das in der naechst groesseren Stadt einmal roentgen zu lassen.
Heute haben wir echt Federn gelassen! Kurz drauf kommen wir in der Stadt an und nehmen uns eine guenstige Hospidaje. Heute haben wir echt keine Lust auf eine Campingmatte. Der folgnde Tag wird dafuer reserviert einiges an den Motorraedern zu richten, Angela laesst sich ihren Seitenstaender schweissen und Mark und ich wechseln fuer die naechsten Etappen vorsichtshalber die schon in Mitleidenschaft gezogenen Hinterreifen.
Unser naechstes Ziel: Puerto Tranquillo.

Hasta luego

Klaus/Mark


27.01.2004 - 5:25 Uhr - Chile
Puerto Tranquillo, Perito Moreno


Wie eine Achterbahn zieht sich die kleine schottrige Strasse kurz nach dem Grenzuebergang zu Chile entlang dem Lago General Carrera.
Die riesige Wasserflaeche lagert zu beiden Teilen der chilenisch - argentinischen Grenze und gilt als der zweitgroesste See Suedamerikas.

Wunderschoene Ausblicke ueber das tuerkisfarbene Wasser sowie die in den Felsen gesprengten Streckenteile verleiten uns oft zum anhalten und zum fotografieren.
Sind wir von nun an nicht mehr der Gefahr des Windes ausgesetzt, muessen wir uns jetzt vor herumliegenden Steinen, auf der Strasse stehenden Kuehen sowie auch unseren Weg kreuzenden Huehnern in acht nehmen. Wir kommen dementsprechend langsam voran...

Unser heutiges Etappenziel soll das kleine Oertchen Puerto Tranquilo direkt an der Carretera Austral werden.

Rot wie die Golden Gate Bridge und mindestens genauso schoen erblicken wir 40km vor Tranquilo eine wunderschoene Stahlbruecke.
Diese ueberspannt den Lago Bertrand mit dem grossen Lago Carrera, natuerlich moechten wir dort sofort Fotos schiessen.
Als einziger mache ich (Mark) mich schonmal auf den Weg die Bruecke zu ueberqueren, damit ich hinterher die Anderen bei der Ueberfahrt ablichten kann.
Von der wirklich schoenen Aussicht ganz abgelenkt, vergesse ich nur dummerweise etwas genauer auf den Fahrbahnuntergrund zu schauen. Auch den natuerlich auf Spanisch geschriebenen Warnhinweis uebersehe ich, wohl nicht nur mangels ausreichender Sprachkenntnisse...

Das andere Ende der Bruecke sollte ich heute nicht mehr erreichen, direkt am Anfang hat es mich schon hingeschmissen...
Mein Moped lag auf den Brettern, ich selbst neben einem der schoenen roten Pfeiler.
Ein unglaublicher Schutzengel muss mir im Nachhinein beigestanden haben. Die roten Farbabdruecke am Helm, der Jacke sowie Schrammen am Hals und eine schmerzende linke Hand verrieten, es haette schlimmer kommen koennen...
Beim zweiten Hinsehen hat sich auch noch Material verabschiedet, mein rechter Koffer war komplett aufgerissen. Ansonsten hat die Twin jedoch nichts abbekommen, ein wenig ist der rechte Blinker verbogen.

Der klaeglich zusammengezimmerte Fahrbahnuntergrund, bei dem ganze Bretter fehlten sowie dicke Holznaegel herausblitzten, war dem schoenen Stahlgeruest nicht angemessen.
Erst hinterher haben wir erfahren, was fuer wilde Unfaelle sich schon hier abgespielt haben muessen... Die Fahrbahn soll wohl sehr bald erneuert werden, das nuetzte aber im Moment recht wenig...

So eine schoene Bruecke liegt natuerlich nicht irgendwo in der Pampa, natuerlich gibt es direkt daneben auch ein nettes Hotel mit Aussichtsterasse. So waren wir sofort gerngesehene Gaeste, nur mussten wir diesmal die etwas hoeher dotierten
Dollanoten aus unseren Taschen herauskramen.

Am naechsten Tag sollte alles wieder besser werden, fuer viele Probleme
fanden sich angenehme Loesungen.
Nicht weit vom Hotel entfernt, lernten wir zwei hier lebende Deutsche
kennen. Einer von ihnen hat sich sofort bereiterklaert, am Morgen
meinen wie eine Coladose zerquetschten Alukoffer mit dem Bus in die naechst groessere Stadt mitzunehmen. Dafuer wuerde ich in Deutschland bestimmt noch nicht einmal mehr ein Dosenpfand wieder bekommen.
Ihn und meinen bis dahin wohl hoffentlich von einem suedamerikanischen Fachmann
wiederhergestellten Koffer, treffen wir also in Coyhaique ( 220
km) spaeter wieder.
Ein anderes und vielleicht viel groesseres Problem war, dass ich selbst wegen der "verstauchten" Hand mein Motorrad nicht in das 40 km entfernt liegende Oertchen Tranquilo haette fahren koennen.
Klaus, Axel und Angela ( die beiden Duisburger ) fuhren also ersteinmal los und suchten eine kleine und bezahlbare Hospedaje. Zurueck kam
Klaus mit einem aus Muenchen stammenden Paerchen ( Gerd und Christina ) und deren Leihwagen. Die Beiden hatten sich sofort bereiterklaert uns in dieser Situation zu helfen.
Klaus fuhr also mein Motorrad, ich selbst durfte hinten im Auto Platz nehmen und
wurde so bequem nach Tranquilo ( heisst uebrigens uebersetzt: Ruhe ) gefahren. Tausend Dank nochmal dafuer!!!

Im Ort angekommen, treffen wir auch direkt unsere 3 Schweizer Motorradfreunde wieder.
Die Zeit reichte gerade fuer einen Smalltalk, sie befanden sich hier nur auf der Durchreise.
Gluecklicherweise hatte Gerry von seiner letzten Baenderdehnung noch ein paar Tabletten uebrig, er schenkte sie mir.
Nachdem ich die erste eingenommen hatte, liess wenigstens der Schmerz direkt nach...

Puerto Tranquilo ist ein recht winziges Doerfchen, dessen einzige Attraktion
eine Bootsfahrt zu den Marmorkathedralen ist.
Dabei handelt es sich um tief ins Steilufer geschnittene Hoehlen mit wasserpolierten Marmorwaenden.
Bei heftigem Seegang und leichtem Nieselregen hatten wir dennoch unseren Spass an dieser rund 1,5 Std andauernden Bootsfahrt. Das ein oder andere Mal waere der kleine "Kahn" wirklich fast abgesoffen, aber der Bootsman verstand sein Handwerk...Immer wieder lenkte er das Boot in die richtige Richtung und schipperte seelenruhig zur Anlegestelle.

Zwei Tage Puerto Tranquilo sind aber wirklich genug, wir wollten weiter in die naechstgroessere Stadt...Coyhaique.
Dort sollte es moeglich sein, das wir uns einmal aerztlich durchschecken lassen.

Nach einer kleinen Probefahrt meinerseits, entschieden wir uns zur Weiterfahrt. Die ca. 220 km nach Coyhaique haben es wirklich in sich. Die Piste ist traumhaft schoen und zum Teil dicht bewaldet, nur leider regnet es die ganze Zeit. Nach ca. 4 Stunden kommen wir doch recht nass aber uebergluecklich in der 40000 Einwohner zaehlenden Stadt an. Wir beziehen eine einigermassen bezahlbare Hospedaje und wandern am Abend ein wenig durch die Gassen.


Ein paar Federn haben wir auf dieser Strecke ab Feuerland doch alle lassen muessen, jetzt kann es nur wieder aufwaertz gehen...Die Gegend hier ist wirklich wunderschoen, die Strassen nicht mehr so schlimm wie auf der Ruta 40.
Mal sehen was die naechsten Tage so bringen werden, ersteinmal werden wir uns hier etwas ausruhen.
Zu Wochenbeginn werde ich mir einmal aerztlichen Rat wegen meiner Hand einholen, Klaus moechte seine Rippen checken lassen...dann sehen wir weiter!

Bis die Tage

Mark und Klaus



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