...

4 Silvester auf Feuerland und die folgenden Tage


31.12.2003 - 14:01 Uhr - Argentinien
Feuerland

Um bis ans Ende der Welt zu kommen stehen noch diverse Grenzuebergaenge, sowie die Ueberfahrt mit der Faehre ueber die Magellanstrasse nach Feuerland auf dem Programm. Fuer ungefaehr 200 km muessen wir auf der gleichen Strasse bleibend (Routa 3) die argentinische Seite verlassen und durch chilenisches " Niemandsland" fahren. Nach schier endloser Pampa verlassen wir selbiges Land wieder und reisen ueber die Grenze zurueck nach Argentinien ein. Was fuer ein buerokratischer Aufwand, der aus einem riesigen Berg an Papierkram, dutzend verbrauchter Stempelkissen sowie viel Warterei besteht. Was solls, Zeit haben wir ja genug!

Da wir im Moment mit einer Gruppe von insgesamt 8 Motorraedern unterwegs sind, dauert der Grenzuebergang dementsprechend lange. Jeder von uns bekommt viele grosse und kleine Zettel in die Hand gedrueckt, die an anderer Stelle ersteinmal wieder abgestempelt werden muessen.
Dann werden natuerlich noch alle erdenklichen Einzelheiten der Motorraeder in den Computer eingetragen, wie z.B. die Fahrgestellnummer, Farbe, Nummernschild, Wert und Motornummer...komisch, die scheint recht wichtig zu sein, steht aber bei keinem von uns in den Papieren...
Nach ca. 2 Stunden ist alles ueberstanden, wir duerfen nach Chile einreisen. Natuerlich mussten wir vorher noch ausdruecklich und schriftlich versichern, kein Fleisch und kein Obst auf unseren Motorraedern mit ins Land einzufuehren. Der Beamte inspiziert jedes einzelne Motorrad zu unserem Glueck recht fluechtig, haetten wir ersteinmal alles abladen muessen, waere doch sicherlich die ein-oder andere Scheibe Salami aus den Mopedkoffern gepurzelt...

Wir fahren weiter Richtung "Hafen", um von dort aus nach Feuerland ueberzusetzen. Als wir gegen 17:00Uhr an der Ablegestelle ankommen, erfahren wir das die naechste Faehre erst 4 Stunden spaeter abfahrenb soll. Eigentlich soll die Faehre so ca. einmal pro Stunde fahren, doch ausgerechnet heute herrscht akuter Wassermangel, so dass sie nicht an bzw. ablegen kann. Wieder heisst es warten, wir vertreiben uns die Zeit mit Sandwich essen, Kaffee und Mate-Tee trinken.

Dieser Mate-Tee wird in Suedamerika wirklich zu allen Gegebenheiten getrunken, sogar beim spuelen darf eine Termoskanne und der Kuebistopf nicht fehlen...Auch einige aus unserer Gruppe sind dieser harmlosen Droge schon verfallen.

Um 21:00 Uhr kanns dann endlich losgehen, wir setzten nach Feuerland ueber. Die Ueberfahrt dauert nur ca. 30-40 Minuten, oben auf Deck herrscht ein kraeftiger Wind. In Erwartung dort erstmal keinen geeigneten Campingplatz zu finden, entschliessen wir uns direkt am Anlegehafen nach einer Moeglichkeit zum campen zu fragen. Der Besitzer des einzigen sich dort befindlichen Restaurants hat nichts dagegen einzuwenden und so koennen wir direkt hinter seinem Haus unser Zelt auf einer riesigen Wiese aufschlagen. Vielleicht wittert er auch gleich ein Geschaeft, werden wir doch das ein oder andere Cervessa spaeter in seiner Bar zu uns nehmen.
Nachdem unser Nachtlager aufgestellt ist, sehen wir, dass wir auf dem einzig "mienenfreien" Feld weit und breit stehen. Auf den anderen Feldern stehen grosse rote Schilder mit der Aufschrift..."ACHTUNG MIENEN, ZELTEN UND BETRETEN VERBOTEN"...naja, das kann ja heiter werden! Da ueberlegt man sich dann doch schonmal, ob man sich auf seiner Isomatte denn unbedingt herumdrehen muss, oder lieber ruhig liegen bleiben soll...

Am naechsten Morgen gehts dann recht zuegig weiter in Richtung S. Sebastian zur naechsten Aus bzw. Einreise nach Argentinien. Ueberhaupt haben wir schon recht gute Routine im Ab und Aufbau unserer Behausungen bekommen, um 9:00 sitzten wir bepackt auf den Motorraedern.
An der Grenze muessen natuerlich wieder 8 Mopeds abgefertigt werden, dementsprechend lange dauerts mal wieder. Auf Argentinischer Seite geht die Fahrt dann weiter bis zur ersten richtig grossen Stadt auf Feuerland: Rio Grande
Feuerland empfaengt uns mit wechselhaftem Wetter, der Himmel ist staendig mit Wolken verhangen ausdenen schonmal ein ordentlicher Regenguss herauskommen kann. Die Landschaft ist recht flach, riesige Felder mit nur zum Teil asphaltierten Strassen.
Rio Grande erreichen wir am fruehen Nachmittag, dort werden wir super freundlich vom Bootsclub Nautico aufgenommen. Wir brauchen auch unser Zelt nicht aufzuschlagen, sondern koennen alle in einem grossen Saal im oberen Stockwerk unsere Isomatten ausbreiten. Im unteren Bereich, Kueche, Bootslager, Tischtennisraum in einem, wird sofort Platz fuer unsere Motorraeder gemacht. Nachdem wir die Mopeds alle hineingefahren haben, gibts erstmal lecker Abendessen. Auch ein Platz fuer die Tischtennisplatte ist schnell wieder gefunden, beim Ballspiel der Hausbewohner kann dann schonmal schnell der ein oder andere Ball in der Suppe landen...

Weils uns so gut gefaellt, bleiben wir erstmal 2 Tage dort. Wir lernen das feuerlaendische Nachtleben kennen, so machen die Discos hier erst um 1:00 Uhr nachts auf, eine Liveband faengt vor 3:00 Uhr nicht zu spielen an.

Nach Ushuaia sind es noch ca. 200 km zu fahren, es soll bis hierhin unser schoenster Streckenabschnitt werden. So sind wir doch die ganze Zeit jetzt fast ausschliesslich nur gerade Strecken ohne viel Abwechlung gefahren, da tuermen sich auf einmal ganze Bergketten vor uns auf. Wir sehen schneebedeckte Berge, fahren richtige Kurven und bekommen eine Menge fuers Auge geboten.
Das ein oder andere mal wird sogar auch im stroemenden Regen fuer ein Foto eine kurze Pause eingelegt. Es ist eine wunderschoene Strecke, die aber fast ausschliesslich aus unbefestigten Strassen besteht. Der starke Regen traegt seinen Teil dazu bei, dass sich die Strassen schnell in Matschpisten verwandeln. Vorsichtig fahren wir durch die Berge runter nach Ushuaia...

Auf einem recht schoenen Campingplatz "Rio Pipo" schlagen wir unser Lager auf, im laufe des Tages trudeln doch immer mehr Motorradfahrer ein. Wir freuen uns auf ein schoenes Silvesterfest, natuerlich wird ein grosses Asado gezaubert.Die folgenden Tage gehen wir recht ruhig an, machen Ausfluege ins Stadtcentrum, sowie in den Nationalpark. Im Park selbst fahren wir dann die Routa 3 bis zum Ende, bis wir schliesslich vor dem wahrscheinlich am haeufigsten fotografierten Schild der Weld stehen...El Fin del Mundo

Wir wuenschen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, alles Gute...wir werden weiter von unsren kleinen Abendteuern berichten, moechten uns aber vorab schonmal fuer evtl. Rechtschreibfehler entschuldigen...


Hasta Luego

Mark und Klaus


31.12.2003 - 15:58 Uhr - Argentinien
Silvester 2003 und die folgenden Tage


Heute ist Silvester und wir wollen es so richtig krachen lassen. Die Raketen von Rio Grande waren fuer das wenige Geld sehr effektiv! Doch leider Fehlanzeige. Hier in Ushuaia ist Feuerwerk grundsaetzlich verboten. Einzige Ausnahme war der Jahreswechsel 2000. Im Grunde ist es aber auch gut so! Der Silvestertag verlaeuft so: El Chefe vom Campingplatz kauft fuer jede Person speziell nach vorheriger Bestellung das Fleisch fuer das bevorstehende Silvester-Asado ein. Zusaetzlich bringt er noch Salat, Brot und genuegend Wein mit.
Nachmittags bastelt Marten, ein Hollaender, an einem Trialkurs, sowie einer Speedstrecke fuer den gegen 18 Uhr vorgesehenden Silvester-Challenge mit unseren eigenen Motorraedern. Der Campingplatz bietet hierfuer aber auch ideale Bedingungen, sogar Wasserdurchfahrten und eine Tiefsandpassage stehen auf dem Programm. Es wird ein riesen Spass! Auch das oertliche Fernsehen laesst sich kurz blicken und sendet einen Bericht ueber unser Treiben.

Der erste Januar wird ein sehr relaxter Tag. Carsten und Tina (www.wuestenkuh.de) verabschieden sich und auch Micaela (Mirkos Freundin, die uns beim Zoll so toll geholfen hat und extra fuer die Feiertage nach Ushuaia geflogen kam, sagt Adios!
Vom 2. auf den 3. Januar haben wir dann in den Geburtstag von Mark hineingefeiert. Um 24 Uhr gab es den obligatorischen Geburtstagskuchen sowie ein gesungenes Happy Birthday mit Harmonika-Begleitung von Simon.

Simon ist Englaender und bereits seit vier Jahren unterwegs. Er reist von Kontinent zu Kontinent und sammelt Spendengelder fuer die Anschaffung von Motorraedern, um damit die aerztliche Versorgung in entlegenden Gegenden zu gewaehrleisten. Das sind dann Gegenden auf dieser Welt, wo man entweder nicht mehr mit dem Auto hinkommt, oder wo einfach das noetige Geld fuer die Anschaffung von fahrbaren Untersaetzten fehlt.
100.000 Dollar hat er bereits sammeln koennen. Sein letzter Kontinent wird Afrika sein, bevor er dann wieder ueber Suedeuropa nach Hause faehrt. Wer mehr darueber wissen moechte wird hier fuendig: www.millennium-ride.com

03.01.04

Heute besichtigen wir nach einem ausgiebigen Geburtstagsfruehstueck einen Gletscher in Ushuaia. Wir fahren mit den Motorraedern zu einer nahegelegenen Skiliftstation. Von dort aus geht es dann einige hundert Meter weiter nach oben. Zu Fuss legen wir dann weitere Hoehenmeter zurueck und geniessen bei tollem Wetter die wunderschoene Aussicht auf Ushuaia.. Abends gibt es eine riesige Bratkartoffelpfanne mit Salat.

Irgendwann stoesst Simon dazu und laed uns auf eine Tasse Tee mit Kokablaettern ein. Trozt verlorenener Muedigkeit gehen wir heute recht frueh ins Bett, denn morgen wollen wir frueh aufstehen und Richtung Norden abreisen.

04.01.04
Heute soll ein schwarzer Tag werden!!!

Frisch gesattelt fahren wir gegen 11 Uhr los. Nach ca. 40 Kilometern springen ploetzlich aus heiterem Himmel 3 Hunde (zwei kleine und ein grosser) auf die Fahrbahn und Joerg, der an zweiter Stelle faehrt, erwischt volles Programm den groessten von den dreien und legt sich dabei ab. Ich verfolge das Geschehen hinter ihm fahrend und denke nur: Das war's jetzt! Aber er hatte grosses Glueck im Unglueck. Er hat sich sofort aufgerichtet und war auch gleich ansprechbar, was fuer eine Erleichterung!!! Das sah von hinten viel schlimmer aus, als es war. Kurz drauf hielten einige Autos an und haben uns Hilfe angeboten. Leider gab es zwischen den Bergen keinen Mobilempfang, aber sie wollten sobald es moeglich ist eine Ambulance rufen. Nach ca. 45 Minuten kam dann der Rettungswagen und hat Joerg mitgenommen.


Sein Motorrad, was nur Schrammen abbekommen hat, haben wir beim Besitzer des Hundes untergestellt und sind dem Krankenwagen hinterher ins Hospital nach Ushuaia gefahren. Der Hund war inzwischen verstorben. Joerg wurde durchgescheckt und hat zum Glueck nur einen Rippenbruch davongetragen. Halb so wild! Er ist noch eine Nacht im Hospital geblieben und tagsdrauf entlassen worden. Die Klamotten haben auch gut gehalten, es sind nur wenige Stellen zu flicken. Abends haben wir dann Joerg's Motorrad abgeholt und wieder zum Campingplatz gebracht.

Das mit den Hunden ist hier ein riesen Problem und Simon, der Englaender, hat diesbezueglich die Presse darauf aufmerksam gemacht. Hier in der Stadt ist es immer eine Art Wettrennen, den herrenlosen Hunden zu entkommen. Sie warten nur darauf Motorradfahrer zu attackieren, klaeffen sie an und springen einfach auf die Strasse. Ohne Motorrad sind sie aber alle ganz harmlos und schuechtern. Joerg's Geschichte koennte jetzt zu einer Veraenderung fuehren. Am 05.01 hat sich die Zeitung und das Fernsehen auf unserem Campingplatz der Sache angenommen.

Allerdings streiten sich hier schon seit geraumer Zeit zwei Interessengruppen. Auf der einen Seite die Tierschuetzter und auf der anderen Seite diejenigen, welche die Hunde ersteinmal fuer drei Tage einfangen wollen und sie dann, wenn sich der Besitzter nicht melden sollte, umbringen wollen. Jetzt bleiben wir wohl alle ein paar Tage laenger hier, bis sich Joerg wieder einigermassen fit fuehlt. Passieren kann mit der Rippe nichts, sie tut nur weh. Mal sehen auf Asphalt geht´s ja, aber auf den Schotterpisten wird es schon etwas schwieriger.

So etwas truebt die Stimmung schon ein wenig, aber es geht ja wieder weiter, vielleicht schon am 07.01. Ploetzlich wird einem bewusst, wie verletzlich man doch ist, aber das Risiko muessen wir wohl eingehen.

Bis die Tage

Klaus/Mark


| Start | | Kontakt | | Gästebuch | | Impressum | | Favorit | | Seite empfehlen | | copyright by remoto | | nach oben |