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3 Durch Patagonien über Valdez bis Rio Gallegos/Weihnachten


19.12.2003 - 02:51 Uhr - Argentinien
Patagonien, Peninsula Valdes

11.12.03 Viedma

...geht mit dem Wind und lebt euren Traum, sagt Oscar zu uns als wir uns am Ortsausgang von ihm und seiner Tochter verabschieden. Sie hatten uns bis zur Routa 3 gebracht, von dort aus starten wir in Richtung Sueden.

Der Wind wird fortan unser staendiger Begleiter und wir bekommen eine Vorahnung von dem was uns auf dem Weg nach Feuerland durch Patagonien noch erwarten wird. Unglaublicher Gegenwind kommt uns entgegen, die Landschaft wird immer karger und das Land stets flacher. Willkommen in Patagonien...
Der Fahrspass haelt sich in Grenzen, fahren wir doch stundenlang nur geradeaus. Abwechslung bieten lediglich die kraeftigen Windboehen, die ploetzlich und unerwartet von vorne sowie der Seite unseren Geradeauslauf veraendern wollen.

Am Horizont tun sich riesige Wolken auf, zuerst denken wir an ein herannahendes Unwetter. Doch als der Himmel sich dazu noch rot verfaerbt, die Luft nach verbranntem riecht, ist schnell klar das es sich hier um ein grosses Feuer handeln muss. Zuerst stehen einzelne Buesche auf den Feldern in Flammen, hinterher sind es ganze Felder...

Direkt neben uns lodern die Flammen, es wird ploetzlich "brandgefaehrlich". Der Rauch ist so stark das wir nichts mehr sehen koennen, ca. 0,5 Meter neben uns schlagen riesige Flammen angetrieben durch den Wind um sich. Es wird tierisch heiss, Gott sei Dank nur fuer ca. 50 Meter. Endlich haben wir wieder klare Sicht, wir sind durch, gottseidank ist hier nicht mehr passiert... sofort halten wir an der naechsten Tankstelle an und erfahren, die Strasse gerade komplett gesperrt worden ist. Das war knapp!!! Den genauen Grund des Feuers erfahren wir nicht...


Endstation fuer diesen Tag ist ein Campingplatz in Las Grutas, er liegt direkt am Meer. Wir geniessen den Sonnenuntergang, gehen eine Kleinigkeit essen und sind gespannt was uns am naechsten Tag erwarten wird.
Wieder geht es die Ruta 3 entlang, nun steuern wir direkt auf die unter Naturschutz liegende Insel Valdes zu. Nach ca. 200 Kilometern sturem Geradeausfahren entscheiden wir uns fuer ein wenig Abwechslung.

Wir entschliessen uns zum ersten Mal eine unbefestigte Strasse zu nehmen, eine Schotterpiste nach Pto. Madryn. Fuer uns soll es die erste richtige fahrerische Herausforderung werden, die Strasse ist komplett geschottert und mit fiesen Sandpassagen versehen.
Nach 110 Kilometern Scotter erreichen wir voellig verstaubt und auch recht muede Pto. Madryn und finden dort einen netten Campingplatz direkt am Meer. Wir erfahren wenig spaeter, dass man auch auf Valdes sein Zelt aufstellen kann, so entschliessen wir uns schon am naechsten Tag mit Zelt auf die Halbinsel umzuziehen.

Pto. Piramides soll nun fuer ein paar Tage unser neues Zuhause werden, der Campingplatz ist genial und liegt direkt am Strand...zum Einschlafen koennen wir die tosenden Wellen hoeren...
Am naechsten Tag starten wir zu einer Tagestour und fahren nach Pt. Norte um dort die Killerwale (Orkas) sowie Seeloewen zu sehen. Auf Valdes gibt es auch nur unbefestigte Strassen, somit stehen sofort erstmal 80 Kilometer Schotter auf dem Programm. Dort angekommen haben wir einen super Blick ueber den Atlantik sowie die sich am Strand raekelnden Seeloewen. Wir schiessen einige Fotos, doch die Orkas tauchen zu unserer Entaeuschung heute nicht mehr auf. Schliesslich machen wir uns wieder auf den Heimweg, fahren noch eine etwas groessere Schleife, so dass wieder ca. 110 Kilometer auf dem Programm stehen. 75 Kilometer vor unserem Zelt sowie der Vorfreude auf ein leckeres Abendessen, passiert dann das, wovor wir doch alle Angst hatten...Joerg hat einen Plattfuss!
Der Vorderreifen ist platt, zum Glueck ist sonst nichts passiert. Da Joerg keinen Hauptstaender an seiner Afrikatwin besitzt, legen wir sein Motorrad auf die Seite und bauen das Vorderrad aus. Zu unserer Verwunderung geht die Decke recht schnell ab, Ursache dafuer war ein kleiner Dorn... Den Schlauch moechte Joeg spaeter in Ruhe flicken, jetzt legen wir sicherheitshalber einen Neuen ein. Das hat ja recht gut geklappt, nach ca. 1 Stunde nehmen wir die Weiterfahrt wieder auf.

Die naechsten Tage verbringen wir auf Valdes ohne Motorradfahren und machen uns auf die Suche nach einem Wal. Wir spazieren die Kueste entlang, es wir ein recht langer Spaziergang ueber Felsen, riesiege Duenen und am Wasser entlang. Nur einen Wal bekommen wir auch diesmal nicht zu Gesicht. Wieder erfahren wir, das sich Wale nicht weit von uns den ganzen Tag an einer anderen Stelle gezeigt haben sollen.
Also muss eine Bootstour her, jetzt muss es doch klappen...Die Chancen stehen recht gut, die Wale sollen sich direkt vor unserer Haustuere befinden. Um 15 Uhr soll unser Dampfer in See stechen, wir sind etwas frueher dort. Ploetzlich sehen wir vom Bootshaus einen Wal durchs Wasser springen, die Bootsvermieterin reicht sofort Fernglaeser herum. Die Vorfreude steigt, nur mittlerweile haben wir schon 15:30 Uhr und warten noch auf einen Touristenbus mit Leuten die Huete mit der Aufschrift " Niederoesterreich, da wo Ferien noch Ferien sind" tragen... Unser Boot kommt faehrt erst gegen 16 Uhr raus, nur leider laesst sich dann kein Wal mehr blicken. Delphine kreuzen unseren Weg, das Boot faehrt an Seeloewen vorbei, doch die Wale haben fuer heute keine Lust mehr...schade!

Wieder auf dem Zeltplatz angekommen sehen wir, dass unsere anfaengliche Truppe nun wieder komplett ist. Die Anderen sind zu uns gestossen, zur Begruessung gibts erstmal Cerveza.
Indes treffen wir doch staendig Motorradfahrer und andere Traveller aus allen Laendern, sie alle wollen nach Feuerland Sylvester feiern... Es scheint eine riesiege Party zu geben! Sie sind aber nicht nur auf Motorraedern, sondern auch mit Wohnmobilen, Trucks und LKW s unterwegs.

Die Motorraeder laufen immer noch prima und bis auf einen Unfaller im Stand von Klaus Afrika Twin auf dem Campingplatz ist nochts weiteres passiert. Nur der Alukoffer musste neu gerichtet werden.
so das wars ersteinmal wieder. Wir sagen schonmal froehliche Weinachten und vorab ein gutes Jahr 2004.

Herzliche Gruesse

Mark und Klaus


25.12.2003 - 12:11 Uhr - Argentinien
Trelef, San Julian und Rio Gallegos in Patagonien


19.12.03

Wir fahren weiter und finden in Trelef einen wirklich genialen Campingplatz. Er ist aufgebaut wie ein Abenteuerspielplatz fuer Kinder und bietet uns statt Sand und Schotter einen Rasenboden zum zelten. Wir sind die einzigen Besucher und koennen uns so richtig schoen ausbreiten. Abends finden wir noch genug Holz um ein ausgiebiges Lagerfeuer zu machen. Am naechsten Tag steht ein Stadttag auf dem Programm. Wir besichtigen das bekannte Dinosaurier-Museum mit weltweit einzigartigen Funden und erledigen einige Dinge in der Stadt. Wir brauchen ein neues Kofferschloss und neue Zeltheringe. Ausserdem finden wir ein Versicherungsbuero, bei dem wir pro Person fuer zunaechst drei Monate eine KFZ-Versicherung fuer umgerechnet 30 Euro abschliessen. Jetzt sind wir hoffentlich fuer weitere Polizeikontrollen geruestet. Hier in Argentinien hat so gut wie kein Motorradfahrer eine solche Versicherung, aber Touristen werden schon oefter danach gefragt. So kann es durchaus sein, dass sich einige Beamten durch solche Kontrollen nicht nur ihr Taschengeld aufbessern, sondern sogar noch ihren Jahresurlaub damit finanzieren. Mirko, einer von unserer anfaenglichen Truppe ist, als er einmal drei Tage allein unterwegs war, gleich 8 Mal auf der gleichen Strecke angehalten worden und um insgesamt 375 US Dollar erleichtert worden. Hier gab es offensichtlich eine Telefonkette der Policia untereinander.
Manche Polizisten fragen wohl auch nach Feuerloeschern, welche wir uns aber nicht zulegen werden.

Es ist schon verrueckt, hier in Argentinien fahren Autos ohne Windschutzscheiben, Motorhauben, ohne Schilder, Lampen oder sonstiges Zubehoer herum und die Touris werden nach Feuerloeschern gefragt....:)
Mal sehen, die Tips lauten: Zahle solange nicht, bis der Beamte Feierabend hat!!! Bis jetzt hatten wir aber immer Glueck und mussten nur unsere Ausweise vorzeigen.

20.12.03....
wir stehen schon um 6 Uhr morgens auf, denn heute haben wir ein straffes Tagesprogramm (ca. 600 Km). Es soll zunaechst nach Pt. TOMBO zur groessten Pinguin-Kolonie gehen. Das bedeutet zusaetzliche 200 Km Schotterstrecke. Dort angekommen treffen wir ein Nuernberger Paerchen zusammen auf einer alten BMW R 80 GS. Sie erzaehlen uns, dass sie zwei Tage zuvor einen Getriebeschaden hatten und auch auf dem Weg nach Feuerland sind. "...aber Laegerli gibt´s ueberall, und jetzt gehen wir erschteinmol a Kaffe schlabbe..."
Sie schienen sehr gut mir der Situation klargekommen zu sein.

Die Pinguin-Kolonie war schon beeindruckend. Wir konnten den kleinen Tierchen ca. 1,5 Stunden dabei zuschauen, wie sie ihren Tag organisieren. Wir durften einfach durch ihr Territorium spazieren und mussten nur ihre Vorfahrt wahren. Wirklich klasse!!!

Von Punta Tombo aus sind wir dann zurueck geschottert und haben wieder die gut asphaltierte Routa 3 Richtung Comodoro Rivadavia genommen. In Rada Tilly, ein Stueck weiter suedlich sind wir auf einem Campingplatz gelandet. Fahrtechnisch war das heute ein harter Tag. Die reine Fahrzeit betrug ueber 7 Stunden und das immer gegen den patagonischen Wind. Auf dem Campingplatz treffen wir Angela und Axel mit ihren Motorraedern (Africa Twin/Trans Alp) aus Duisburg wieder. Wir hatten sie zuvor bei einer "Wale- Watching-Tour" auf Valdez kennengelernt. Mit den beiden haben wir uns dann gleich fuer Weihnachten in Rio Gallegos verabredet.

21.12.03
E
s geht weiter auf der Routa 3 Richtung Sueden. Wir muessen Kilometer machen, bis Feuerland ist es noch ein ganzes Stueck. Heute wollen in in den "Bosques Petrificados" (den versteinerten Wald). Unterwegs treffen wir Axel und Holger, die wir seit Valdez nicht mehr gesehen haben. Keine 5 Minuten spaeter kommen Angela und Axel aus Duisburg dazu. Die Welt ist klein :-) Jetzt sind wir eine riesige Truppe mit 8 Motorraedern, Wahnsinn!!! Wir stellen fest, dass wir die gleichen Ziele haben und beschliessen gemeinsam zu fahren. Untereinander vergleichen wir das Kartenmaterial und stellen wie so oft fest, dass es kaum Gemeinsamkeiten bzgl. der Strassen und Kilometerangaben gibt. So fahren wir einfach weiter und hoffen auf irgendwelche Hinweisschilder oder Abzweigungen. Aber es kommt nichts, oder wir haben es uebersehen. Die Landschaft um uns herum sieht immer gleich aus. Links und rechts der Routa nur Felder und sonst nichts. Sobald eine Strasse abzweigt ist sie geschottert und fuehrt ebenfalls nur geradeaus. In Tres Cerros, einem Ort der nur aus einer Tankstelle besteht, halten wir an um vollzutanken. Alle sind auf Reserve! Doch jetzt gibt es ein Problem...der Tanklastzug, der die Tankstelle beliefert, kommt erst am naechsten Morgen. manana, manana...der Sprit wird rationiert und jedem werden 10 Liter froehlich eingeschenkt. Mehr ist nicht drin! Wir beraten uns bei einer Tasse Kaffee und muessen feststellen, dass wir den Wald mit der Spritmenge, die wir zur Verfuegung haben, nicht mehr erreichen koennen.

Es gibt aber zwei Alternativen: Entweder einen Tag auf den Tanklastzug warten und hier uebernachten, oder auf der 3 weiter bis nach P.San Julian. Das koennte mit dem Sprit gerade noch hinhauen. Die zusaetzlichen Benzinkanister hatten wir sinnigerweise vorher nie befuellt, war bis jetzt auch nicht noetig....Wir entscheiden uns fuer letzteres und treffen abends nach ca. 450 Km, in dem direkt am Meer liegenden Oertchen, ein.

Wir entscheiden uns spontan fuer 2 Tage Aufenthalt und geniessen fliessend warmes Duschwasser, welches fuer uns mittlerweile echter Luxus bedeutet. Der folgende Tag wird von allen dazu genutzt die Motorraeder zu reparieren, Waesche zu waschen und sonstige Dinge zu erledigen, die waehrend der Fahrtage so auf der Strecke bleiben. Abends wird es auf einmal empfindlich kalt und die Quecksilbersaeule sinkt auf einen einstelligen Wert. Ein erster Test fuer unsere Thermoklamotten.

23.12.03...Wir verbringen den ganzen Tag am Strand, in der Stadt und auf dem Campingplatz. Es ist wieder waermer geworden und das Thermometer schellt auf ueber 30 Grad hoch!!! Abends machen wir einen Grosseinkauf und grillen unser bis dahin bestes ASADO.

24.12.03 Heiligabend:

Wir fahren mit der ganzen Truppe nach Rio Gallegos in der Provinz Santa Cruz. Voher fotografieren wir unsere Truppe noch auf einem Flugzeugwrack in der Naehe des Campingpatzes. Um 12 Uhr mittags geht es los und die ersten Kilometer laufen schoen geschmeidig durch den vorhandenen Rueckenwind. Genial!
Doch dann wird es zunehmend windiger und immer schwieriger die beladenen Kisten, auf der noch ca. 400 Km vor uns liegenden Fahrstrecke, zu halten.

Auf den letzten 100 Kilometern hatten wir so starken Seitenwind, dass es uns gar nicht moeglich war fuer eine kurze Pause anzuhalten. Die Maschinen waeren ohne zusaetzliche Sicherung einfach umgekippt. Voellig geschafft kommen wir gegen 18 Uhr in die Stadt. Hier tobt der Baer! Ueberall winken uns die verkleideten Weihnachtsmaenner und Frauen zu und zum ersten Mal kommt trotz der ca. 25 Grad ein Hauch von Weihnachtsgefuehl auf. Wir sind auf der Suche nach einem Campingplatz, aber das ist gar nicht so einfach. Wir sind zu 8 Motorraedern unterwegs, es gibt einen Haufen Strassen, Ampeln und jeden, den wir nach dem Weg fragen, zeigt in eine andere Richtung. Irgendwann angekommen erfahren wir, dass der Platz geschlossen sei.

Die anderen 2 Campingplaetze sind auch ueber Weihnachten nicht in Betrieb und wir sind gezwungen uns zum ersten Mal in einem Hotel einzuquartieren. Nach einer weiteren Stunde werden wir fuendig und koennen unsere Bikes sogar im Hinterhof verschlossen einparken. Jetzt ist Weihnachten!!! Leider koennen wir zwar jetzt nicht mehr all die leckeren Sachen zubereiten, die wir uns vorgenommen haben, aber dafuer wollen wir es uns in einem der zahlreichen Restaurants gut gehen lassen. Doch Fehlanzeige! Alle Lokalitaeten die wir aufsuchen haben, bis auf ein China-Restaurant, heute geschlossen. Chinarestaurant und Weinachten passen irgendwie nicht zusammen, da sind wir uns einig! Doch so darf das Fest jetzt nicht ins Wasser fallen. Im Geiste sehen wir uns mit ner Flasche Rotwein und einem Kiosk-Sandwich auf den Hotelzimmern hocken. So laufen wir nochmals die Strasse auf und ab, aber wieder nichts! Seit morgens um 9 Uhr hatten wir weder etwas gegessen noch getrunken. Wir hingen auf dem Zahnfleisch und kehrten beim Chinesen ein. Her mit dem Reis! Jetzt ist alles egal!

Doch dann die Ueberraschung: Das einzige, was hier chinesisch ist, ist vielleicht der Onkel vom Besitzer, sonst nichts! Wir finden ein traumhaftes weihnachtliches Buffet vor, mit allem was das Herz begehrt und bestellen literweise Cerveza. 30 Pesos, all you can eat, das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Wir muessen unsere Maegen baendigen nicht vor 24 Uhr zu zerplatzten, denn um Mitternacht gibt es noch Sekt und Feuerwerk. Hier wird Weihnachten wie bei uns Silvester gefeiert. Mal was anderes :-)

Gegen 1 Uhr fallen wir hundemuede und zufrieden in unsere Betten. Jetzt ist Weihnachten!

Adios und bis die Tage

Klaus/Mark

 


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