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13 Rückreise nach Buenos Aires


20.04.2004 - 13:26 Uhr - Argentinien
Buenos Aires hat uns wieder! 20.04.2004 - 13:26 Uhr - Argentinien


06.04.04
Wir sind noch immer in Paysandu. Heute fahren wir ausnahmsweise einmal mit dem Bus in die Stadt. Die 3 Kilometer zu Fuss sind heute einfach nicht unser Ding, besonders bei knapp 32 Grad im Schatten!
Wir bezahlen vorne beim Fahrer und setzten uns in die zweite Reihe. 10 Minuten spaeter sind wir am Ziel. Wir steigen aus und verabschieden uns. Leider bleibt Marks Geldboerse auf der Sitzbank liegen. Er hat sie vergessen!!! Keine 30 Sekunden spaeter bemerkt er seine Nachlaessigkeit und sprintet dem Bus hinterher. Er verfolgt ihn ueber ca. zwei Kilometer, kommt jedoch nie wirklich naeher. Erst als der Bus die naechste Kurve nimmt, gibt er auf. Scheckkarten, Geld und der Personalausweis...alles ausser Sichtweite!

Ploetzlich taucht ein Mofafahrer auf und fragt was denn los sei? Nach einigen Erklaerungsversuchen nimmt er dann mit seinem Gefaehrt die Verfolgung auf. 15 Minuten spaeter kommt er jedoch ergebnislos zurueck, leider!
Wenig spaeter erfahren wir, dass der Bus nach ca. 30 Minuten auf seinem Rundkurs wieder hierher zurueckkommt. Ein Versuch ist es ja wert und wir warten....Zwischendurch werden wir wieder angebettelt...moneda? Na, wenn die wuessten, dass unsere Geldboerse einfach so zum Mitnehmen im Bus bereitliegt...
Wir warten ab und haben tatsaechlich Glueck! Der Busfahrer hatte sie an sich genommen und haendigt Mark das gute Stueck aus. Finderlohn moechte er keinen! Glueck gehabt!!!

Zurueck aus der Stadt unternehmen wir noch einen Abstecher auf das immer noch laufende Fest " Semana de la Cerveza " Hunderte von Matebechern in Begleitung ihrer Thermoskannen kommen uns entgegen. Heisswasserverkauefer haben Hochkonjunktur. 50 Centavos und die Kanne ist wieder voll! Ueberall wird gehandelt und verkauft. An einigen Stellen wird Musik gespielt und die Arena fuellt sich langsam fuer die kurz bevorstehende Abendvorstellung. Wir schauen uns eine Band auf der Strasse an. Sie sehen aus und klingen wie die fruehen NIRVANA, als sie noch keinen Plattenvertrag hatten. Die Gitarrenriffs lassen den Rhythmuswechsel nur optisch erkennen und der Saenger singt, als wenn er sich gleich die Kugel geben moechte. Wir koennen das kaum glauben, denn soviel Destruktivitaet und Null-Bock-Stimmung passt einfach nicht in diese ansonsten so friedvolle Athmosphaere. Wir finden das alles aber trotzdem klasse und sind auch sehr ueberrascht, wieviel Beifall nach Beendigung der Songs erklingt.
Wir lassen den Abend spaeter ruhig ausklingen, denn am naechsten Tag wollen wir fit sein fuer unser naechstes Fussballduell mit den Uruguayos.

07.04.04

Der Tag beginnt normal mit dem Fruehstueck. Danach regnet es leider wieder wie aus Eimern. Was ist denn bloss mit dem Wetter los? Aber so langsam wird es hier ja auch Herbst...
Einige von unserer Zeltplatztruppe haben eine Plane zum unterstellen. Sofort findet man sich hier ein und trinkt einen Mate-Tee zusammen. Zwischendurch lernen wir eine neue, die uruguayische Art der Mate-Tee-Zubereitung kennen. Dabei wird besprochen, was fuer das heutige Asado einzukaufen ist. Wir wollen heute Abend alle zusammen feiern, denn fuer Mark und mich ist es leider der letzte Abend in Uruguay. Unsere Passport-Stempel zwingen uns zur Ausreise.

Irgendwann hoert endlich der Regen auf und wir legen eine Partie Volleyball ein. Spaeter geht es dann mit Fussball weiter. Heute ist unser Deutschlandteam aber hoffnungslos unterlegen. Wir bekommen einfach keine Schnitte gegen die fussballverrueckten Uruguayos. Als ich dann noch per Bodycheck umgenietet werde, ist es ganz aus. Ich bin mir nicht sicher, aber meine Rippen haben dabei mehr als nur eine Prellung abbekommen. Heute, fast 10 Tage danach sind die Schmerzen sogar noch staerker. Vielleicht doch angeknackst? Keine Ahnung, aber machen kann man da ja sowieso nichts. Eben nur abwarten....und mal wieder eine Zeit lang nur auf einer Seite schlafen!

Abends ist es dann soweit. Der Grill wird angeschmissen. Mark und ich sorgen noch fuer Kraueterbutter und Zaziki aus eigener Herstellung; Original aus Alemania...;begeistert werden unsere Brotaufstriche verkonsumiert. Gegenseitig bringen wir uns dann noch Worte oder Besonderheiten aus den jeweiligen Heimatlaendern bei. Einer moechte unbedingt wissen, was wir zum Beispiel am Start eines Wettrennens sagen. Wir bringen es den andern bei. Auf die Plaetze, fertig, los! Alle lachen und ueben fleissig...
Andere wollen viel ueber Deutschland wissen, sie koennen zum Teil sogar alle Nachbarlaender von Deutschland in Europa aufsagen. Der Fussball machts moeglich! Und 2006 ist fuer alle der Hit!

ASADO wird in Uruguay scheinbar auch etwas anders zubereitet. Der Grillmaster wird gefeiert und beklatscht, wenn er alles gut durchgebraten hat. Dann schneidet einer das Fleisch in kleine mundgerechte Stuecke und ein anderer uebernimmt das Schneiden des Weissbrotes. Dazu gibt es eine scharfe Salsa mit viel Basilikum. Gegessen wird mit den Haenden und alles von einem Teller, eben richtig gemeinschaftlich. Dazu gibt es "Vino cortado". Rose' oder Weisswein mit Sprite, oder was gerade rumsteht. Billig und effektiv....
Uns schmeckt es sehr gut!

Als die Party richtig im Gange ist holt einer der Chicos seinen Pickup und bittet alle aufzusteigen. Es geht weiter in die Stadt mit 12 Leuten und einem Auto. Total normal hier! Dann geht es in verschiedene Discotheken, bis Mark und ich so gegen 7.00 Uhr morgens keinen Elan mehr haben. Zurueck geht es dann gemeinschaftlich, denn keiner der Uruguayos haette sich die Bloesse gegeben die Nacht eher als wir zu beenden. In Uruguay enden die Partys niemals, versichert man uns. Unter lautem Gesang fahren wir durch die Nacht und fallen auf unserem Campingplatz wie ein wild gewordener Haufen ein.
Auch die Wachmaenner vom Platz prosten uns zu. Hier scheint alles erlaubt zu sein. Unser Fahrer, der wirklich behutsam mit seiner Fracht umgegangen ist, hatte allerdings NICHT EINMAL in dieser Nacht ein alkoholfreies Getraenk in der Hand....
Totmuede fallen wir ins Bett.

08.04.04
Nach dem Fruehstueck packen wir unsere Sachen und muessen uns verabschieden. Alle sind gekommen und stehen um uns herum. Es faellt uns extrem schwer, all diese netten Menschen hier zu verlassen. Immer wieder stellt man uns Fragen, um die Verabschiedung hinauszuzoegern. Als ich den Knopf zur Regulierung der Griffheizung an Mark´s Motorrad erklaere, ernte ich totales staunen. "so was gibt es? Wird der Hintern dann auch schoen heiss??? Unglaublich!"
Dann folgen viele Umarmungen und wir satteln auf.
Alle bedanken sich fuer unsere Begegnung mit ihnen, dabei wollen wir uns eigentlich bedanken; einer von ihnen sagt zu uns "...meine Wohnung in Uruguay ist ab sofort eure Wohnung, wann immer ihr wollt..." Das ist ein Wort!
Wir bekommen noch Emailadressen und eine Telefonnummer fuer Montevideo, denn auf unserem Rueckweg nach Deutschland wird unser Frachtschiff vorraussichtlich in der Haupstadt Uruguays noch einen Stop einlegen. Das beruhigt!
Schliesslich ziehen wir die Helme auf und dann rufen 10 Uruguayos: Auf die Plaetze, fertig, los! ...und wir geben Gas.

09.04.04

Wir fahren zur Grenzstation und wollen wieder nach Argentinien einreisen. Unsere letzte Grenze! Hoffentlich geht alles glatt. Dort angekommen lautet die erste Frage: "Haben sie auch eine Versicherung fuer die Motorraeder?" Zum ersten Mal wird uns diese Frage gestellt. Die Versicherung, die wir im ersten Monat unserer Reise abgeschlossen hatten, ist leider schon vor 6 Wochen abgelaufen. Wir hatten sie damals fuer eventuelle Nachfragen bei den Polizeikontrollen abgeschlossen, sie aber niemals gebraucht. Wir wollten sie immer mal verlaengern lassen, haben aber keine Filialen der Versicherungsgruppe mehr angetroffen. Normalerweise reicht auch irgendein Dokument, was wie ein Versicherungsdokument aussieht, so die Erfahrung anderer Traveller. So wollten wir es auch handhaben. Im Zweifel wuerde hier eh keine Versicherung zahlen…

"Ja klar, alles versichert, weltweit natuerlich!!!" Es folgte keine weitere Fragen mehr dazu. Dann lief alles problemlos und wir ueberquerten den Rio Uruguay per Bruecke. Willkommen in Argentinien!
Noch geschwaecht vom letzten Abend sind wir gleich in den naechsten Ort gefahren. COLON. Das war eindeutig unsere kuerzeste Tagesetappe. 22 Kilometer!!! Aber immerhin hatten wir wieder das Land gewechselt!
Colon gefaellt uns auf Anhieb sehr gut. Wir finden einen schoenen Campingplatz und liegen abends in unseren Haengematten am gleichen Fluss wie einen Tag zuvor, nur eben auf der argentinischen Seite und geniessen den Sonnenuntergang.
So verbringen wir ein paar Tage in Colon und halten zwischendurch immer wieder Kontakt via Internet mit unserer Agentin in Deutschland. Wir warten noch immer auf die Tickets fuer unserere Frachtschiffreise. Wir wollen mit der Grimaldigruppe (italienische Frachtschiffgesellschaft) langsam nach Deutschland zurueckschippern. Aber irgendetwas sei schiefgelaufen, so die Agentin. In Italien gab es wohl einen Post-Streik und die originalen Tickets seien verschwunden. Wir sollen uns aber keine Sorgen machen; der Kapitaen der MS Grande sei bereits informiert, dass zwei Deutsche mit ihren Motorraedern und gescannten Tickets kommen werden.

12.04.04

Wir machen uns auf nach Buenos Aires, dorthin wo unsere Reise ihren Anfang nahm. 330 Kilometer sollen es nur noch sein. Wir fahren bewusst sehr langsam und blicken mit Wehmut zurueck. In Gedanken spulen wir unsere Reise noch einmal ab. Es ist zwar noch nicht´s zu Ende, jedoch werden heute Abend die Motorraeder in einer Garage verschwinden und dann am Abreisetag nur noch ein kleines Stueck bis zum Hafen bewegt werden.
Es ist schon ein merkwuerdiges Gefuehl die letzte Etappe in Suedamerika zu bestreiten und nicht mehr an einem neuen Ort einzukehren, der fuer uns noch voellig unerforscht ist. Soviel gaebe es hier noch zu sehen, aber wir haben leider keine Zeit mehr. Am 17. April soll unser Schiff in See stechen.

Aber wir freuen uns riesig auf diese Art der Rueckreise. Auf dem Seeweg wollten wir eigentlich unsere Reise beginnen. Jetzt sind wir aber heilfroh, dass wir uns fuer den umgekehrten Weg entschieden haben. So haben wir etwa dreieinhalb Wochen Zeit unsere eigenen Erlebnisse schon vor Ankunft in Deutschland zu verarbeiten und die Reise nimmt nicht so ein abruptes Ende, als wenn wir uns mit dem Flieger nach Hause katapultieren wuerden.
Auf dem Seeweg gibt es aber auch viel neues zu entdecken....
Nach einigen Erfahrungsberichten anderer soll es auch gar nicht langweilig werden. Zwischendurch gibt es ja immer wieder Landaufenthalte. Wahrscheinlich werden wir sogar in Dakar ein Zwischenstation machen.

Gegen 17.00 Uhr kommen wir in der Millionen-Metropole Buenos Aires an.
Total verstopfte Strassen und ueberall Chaos. Alles laueft umher, es ist total laut und stickig. Wir schlaengeln und kaempfen uns durch die Verkehrsmassen. Wieder rufen uns die Leute zu, halten gruessend die Matebecher aus den Autofenstern, oder einfach den Daumen hoch. Alle nett hier!!!

Ein Taxifahrer:"Woher seit ihr?" Alemania..."mit dem Motorrad?" Klar! "Ihr seid doch verrueckt!!!" Suerte! Viel Glueck!
So hat das alles schon einmal angefangen....

Wir halten an und schauen auf den Stadtplan. Zwei Hotels hatten wir uns makiert, die bezahlbar sein sollen. Ploetzlich werden wir wieder von einigen Leuten umringt. Alle haben irgendwelche Fragen. Dann ein Geschaeftsmann in feinstem Zwirn: "Kann ich Ihnen helfen?"
"Ja, wir suchen ein billiges Hotel, nicht mehr als 20 Dollar fuer ein Doppelzimmer und fuer die Motorraeder eine Garage, natuerlich inclusive." "Unmoeglich!!!", so der Geschaeftsmann. "Aber einen Moment..." Er zueckt sein Handy und ruft ein Hotel an. Dann faengt er sichtlich und auch hoerbar an zu verhandeln. Zwischendurch erklaeren wir den anderen Umherstehenden unsere Motorraeder. Nach einigen Minuten wird das Handy wieder zugeklappt. "...20 Dollar, alles komplett mit Fruehstuck und die Motoraeder kommen in die Garage" Wir sind platt. Wie er das wohl gemacht hat? Keine Ahnung, er scheint aber sehr einflussreich zu sein. Wir muessen nur noch zweimal um die Ecke und sind am Ziel. Wir bedanken uns und biegen ab. Ein Page steht bereits auf der Strasse und weist uns zum Garagentor. Wir fahren hinein und tauchen per Aufzug ins Erdgeschoss ab. Dann voellige Ruhe. Wir sind dem Wahnsinn dieser Stadt entronnen und haben ein sicheres Plaetzchen. Der Page zeigt uns das Zimmer und stellt die Klimaanlage an. Wir schmeissen uns aufs Bett und sind erleichtert. Geschafft!

Am naechsten Tag erfahren wir, dass unser Schiff Verspaetung haben wird. 5 Tage spaeter soll es einlaufen. Es gibt irgendwelche Probleme beim Zoll, vielleicht Drogen...man weiss nichts genaues. Der Frachter sitzt jedenfalls noch in Brasilien fest. Am 19. April erfahren wir mehr.

Na gut, so ist das halt. Wir haben ja keine Passagierschiff gebucht, sondern ein Arbeitsschiff und da kann so einiges vom Fahrplan abweichen. Egal, wir werden uns ueberraschen lassen. So nutzten wir die Tage und sehen uns die riesige Stadt einmal genauer an. Wir finden sogar eine Buchhandlung, wo es deutsche Buecher gibt. Wir leisten uns jeder ein dickes Buch fuer umgerechnet 20 Euro das Stueck. Na gut, der Transfer von Deutschland aus will natuerlich bezahlt werden.
Wir verbringen die Tage mit lesen, in die Stadt gehen und auch im Internetcafe. Ach ja, den Film "Herr der Ringe" haben wir jetzt endlich auch gesehen. In Buenos Aires kein Problem. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt!
Letzten Sonntag waren wir zum zweiten Mal in St. Telmo. Hier gibt es einen tollen Markt mit vielen Kuenstlern, Malern, Tangotaenzern, lebendige Statuen und Anderen, die ihre Werke auf der Strasse vorstellen.
Vielleicht noch ein Wort zum groessten Idol aller Zeiten in ganz Suedamerika. Es gibt hier kaum ein Kiosk, welches nicht Fussballtrikots, Fahnen, Wimpel, Aufkleber, Videos und andere Erinnerungen an Maradonna verkauft. Diego, die Hand Gottes, ist hier ueberall praesent. Gestern am 19.04.04 haben wir erfahren, dass es ihm zur Zeit gar nicht so gut geht. Er ist ins Krankenhaus in Buenos Aires eingeliefert worden.

So, jetzt hoffen wir, dass unser Schiff am 22. April den Hafen verlaesst und ca. 28 Tage spaeter sicher in Hamburg ankommt.

Auf dem Schiff werden wir auch die Moeglichkeit des Emailverkehrs per Satellit haben. Vielleicht schreiben wir ja von unterwegs noch ein paar Zeilen, wie es weitergeht.
Ansonsten melden wir uns erst wieder aus Hamburg, oder in Wuppertal, wenn wir wieder zurueck sind.

Bis dahin alles Gute in die Heimat und vielen Dank fuer eure Anteilnahme an unserer Reise. Wir hoffen, dass es euch auch ein bisschen Spass gemacht unsere Erlebnisse mitzuverfolgen und wir moechten uns schon jetzt einmal fuer die vielen Gruesse, die wir waehrend unserer Reise von euch erhalten haben, bedanken.
Wenn wir zu Hause sind gibt es dann auch mehr Bilder und ein strukturiertes Reisetagebuch zum nachschlagen.

Ahoi

Klaus/Mark



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