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10 Die Atacama Wueste ueber den Paso de Jama bis nach Salta


15.03.2004 - 10:32 Uhr - Chile / Argentinien
Atacama Wueste bis nach Salta


Es geht weiter die Ruta 5 der Kueste entlang in Richtung Norden. Ein gutes Stueck fahren wir an der Seite des blauen Pazifiks, bis die Strasse einen Bogen ins innere des Landes macht. Wir fahren durch die Wueste, der Desierto de Atacama…

Die Umgebung ist schon ein wenig beaengstigend, die gut asphaltierte Strasse fuehrt durch huegeliges Niemandsland. Kaum ein Dorf oder eine Stadt durch die wir fahren, unser heutiges Etappenziel soll die grosse Hafenstadt Antofagasta werden.
Zum Glueck faehrt auch meine Maschine wieder ohne Probleme, ein Defekt in dieser Einsamkeit bei ca. 35 Grad waere jetzt nicht schoen…

Als es schon langsam dunkel wird, kommen wir nach 560 gefahrenen Kilometern in Antofagasta an. Wir fahren mehrfach durch diese riesige Stadt, in der Hofnung eine preiswerte Unterkunft zu finden. Fuendig warden wir mitten im Centrum, jedoch richtig guenstig ist sie nicht.

Am naechsten Morgen geht es weiter immer Richtung Norden, wir moechten heute noch San Pedro de Atacama erreichen. Vorher moechten wir unbedingt noch einen Abstecher nach Chuquicamata, der groessten Kupfermine der Welt machen. Diese Stadt hat 30000 Einwohner, ein Firmenort 16km noerdlich von Calama sorgt fuer die Haelfte der Foerderung von Kupfererz in Chile und fuer mindestens 25 Prozent der gesamten Einnahmen aus Exporten. Die Grube ist 400 meter tief, riesige LKWs beladen mit Steinen fahren den ganzen Tag die Mine rauf und runter. Leider duerfen wir dies nicht mit unseren Motorraedern tun, am Eingang schicken sie uns direkt zu einem in der Stadt gelegenen Ticketcenter. Nur eine gefuehrte Bustour durch die Grube ist moeglich, schade eigentlich!
Am Ticketschalter heisst es auf einmal, wir haetten uns vorher telefonisch anmelden muessen. Die Touren sind sehr beliebt, um 14 Uhr soll der Bus fahren. Wir haben Glueck, denn wir kommen rechtzeitig um 13:30 Uhr an und duerfen noch gerade so die Tour mitmachen. Wir belegen die letzten 2 Plaetze
Zuerst bekommen wir ein Video gezeigt, dann gehts mit einem Bus und einem Helm auf den Kopf in die Mine. Es ist ein gigantischer Anblick, riesige Bagger und LKWs fahren durch die Grube. Wir machen Fotos und nach ca. 2 Stunden ist die Fuehrung zu Ende.

San Pedro de Atacama ist nur noch 100 Kilometer entfernt, es faengt zu regnen an. Wir werfen schnell unsere Regenklamotten ueber und steuern die 2440 m hoch liegende Stadt an.
Die Strecke ist sehr einsam, an einer Stelle laeuft uns fast ein kleiner Hund vor die Raeder…einfach aus dem Nichts taucht er auf, um ihn herum ist nur Wueste. Er wird wohl einfach ausgesetzt worden sein, hoffentlich haelt ein Pickup oder anderes vorbeikommendes Fahrzeug an und nimmt ihn mit zurueck in die Zivilisation.
Wir sind auf unserer Reise wirklich keine Hundefreunde geworden, aber so etwas ist einfach scheisse!

Die Stadt sieht so ganz anders aus, wir brauchen eine Weile bis wir das Centrum ueberhaupt finden. Wir verlassen den Asphalt und fahren in den Ort ueber einen lehmigen Boden hinein. Selbst die Haeuser bestehen aus Lehm, alles wirkt irgendwie dreckig. Ueberall liegen wieder diese herrenlosen Hunde, Hippies und andere Freaks kommen uns entgegen.
Wir finden einen lehmigen Campingplatz direkt mitten in der Stadt und bauen unser Zelt dort auf.
Beim genaueren Hinsehen entpuppen sich die Haeuser allerdings als sehr nobel. Ueberall gibt es Restaurants und Sourvenierlaeden, unglaublich geschmackvoll eingerichtet. Der Ort ist voll touristisch erschlossen aber leider auch ein wenig teuer.
An jeder Ecke werden Touren angeboten, ins benachbarte Boliven, zu den Tatio Geysieren oder zum Sala de Atacama. Wir entschliessen uns das erste mal fuer eine Bustur, es soll hinauf zu den hoechsten Geysieren der Welt gehen… Die Tour startet morgens um 4 Uhr, ein kleiner Bus holt die Fahrgaeste von ueberall her ab. Es ist am Besten die dampfenden Quellen am fruehen morgen zu besichtigen, mit dem aufgehen der ersten Sonnenstrahlen.
Vom Campingplatz bekommen wir einen Wecker geliehen, esgeht frueh ins Bett.
Puenktlich um 4 Uhr morgens haelt der Bus an unserem Tor vor dem Campingplatz und wir fahren mit einer Gruppe von ca.10 Leuten hinauf auf 4300 m Hoehe. Die Strecke zieht sich, die Piste ist grottenschlecht. Bis oben zu den Geysieren sind es knappe 100 Kilometer, der arme Bus macht diese Strecke bestimmt nicht mehr allzu oft…
Staendig schlagen die Federn durch, es knarrt und knarzt ueberall. Der Fahrer faehrt die Strecke allerdings bestimmt nicht zum ersten Mal, gekonnt schlaengelt er sich im dunkeln die schmale Piste hoch.
Oben angekommen, ist es natuerlich super kalt. Ein unglaublicher Anblick schlaegt uns entgegen, kurz vor den ersten Sonnenstrahlen dampfen die Quellen in die azurblaue Luft. Staendig muss man darauf achten, wohin man den naechsten Schritt setzt. Ueberall brodeln kleine und grosse Quellen aus dem Boden…
Der Busfahrer zaubert in der Zwischenzeit ein kleines Fruehstueck, es gibt Kaffee, Wurst, Kaese und sogar Marmelade.

Nach ca. 1 Stunde gehts dann weiter, mit dem Bus fahren wir zu den warmen Quellen in denen wir baden koennen.


Um ca.9 Uhr morgens in der hoechsten Badewanne der Welt bei 32 Grad Wasertemperatur zu liegen, das hat schon was...langsam kommt die Sonne richtig hervor, um uns herum nur riesige Berge und brodelnde Quellen. Keine Frage, der Ausflug hat sich gelohnt. Um 13 Uhr werden wir wieder am Zeltplatz abgesetzt und wir machen uns ein gutes zweites Fruehstueck...

Nach drei Tagen San Pedro de Atracama moechten wir wieder weiter, es soll den Paso de Jama (4700 m) hinauf wieder zurueck nach Aregentinien gehen.

Unsere eigentlichen Plaene Richtung Bolivien hoch zu fahren, haben wir wegen der doch langsam nahenden Rueckfahrt von Buenos Aires aus umgeworfen.
Am 17 April werden wir und die Mopeds zusammen mit dem Frachtschiff fuer ca. 25 Tage zurueck nach Hamburg fahren. Wir werden also gegen mitte Mai wieder zurueck in Deutschland sein...
Viele Reisende haben wir getroffen, die uns von dieser Frachtschiffreise vorgeschwaermt haben.
Eine einfachere Zollabwicklung, eine Menge Spass und nicht so ein apruptes Reiseende verhoffen wir uns von dieser Art Rueckkehr...

OK, es soll also heute den Paso de Jama hochgehen...wir moechten Richtung Argentinien, zu den Iguazu Wasserfaellen. Von dort aus moechten wir evtl. noch ein Stueck Brasilien oder Uruguay bereisen.

Von San Pedro de Atacama aus fahren wir eine gut geteerte Strasse den Pass hinauf. Rechts und Links nichts als Berge und ab und zu kreuzt eine kleine Lamaherde die Strasse.
Schnell sind wir auf der Hoehe von (4600-4800 Metern) und diese behalten wir auch sehr lange bei. Die Hoehe bemerkt man erst beim Absteigen, die Luft ist super duenn. Auch die Mopeds haben so ihre Schwierigkeiten, im Leerlauf geht sie manchmal aus, die Gasannahme wirkt deutlich traeger...

Oben an der Grenze angekommen, beginnt sofort der argentinische Schotter. Die Piste ist grottenschlecht, wir haben es mit dem bisher schlimmsten Wellblech der gesamten Reise zu tun.
Unsere letzte Ausreise aus Chile gestaltet sich etwas schwieriger, auf einmal bekommen wir Stress mit den Zollbeamten...
Die ersten Stempel sind schnell gesetzt, alles verlaueft normal. Doch beim Zoll fuer die Motorraeder sollen wir auf einmal einen Stempel zu wenig in unseren Papieren haben. Unglaublich unfreundlich eroeffnet uns der bullige und auch leicht aggressive Zollmensch, wir koennen so nicht einreisen. Wir haben in San Pedro irgendeine Zollstation uebersehen, und sind demnach illegeal in Chile unterwegs gewesen. An ein Einreisen sei deshalb nach Argentinien nicht zu denken, wir sollten die ca. 200km wieder zurueck fahren...
Natuerlich spricht keiner der sturen Zollbeamten ein Wort Englisch, die Situation spitzt sich zu. Wir erklaeren, das wir mangels ausreichendem Spritt und nicht genuegend Zeit den Rueckweg unter keinen Umstaenden antreten koennen. Im uebrigen wuessten wir ueberhaupt nichts von einer von uns uebersehenden Zollstation.
Nach ewigem hin -und her schliessen wir einen Kompromiss. Der Zollbeamte sagt, wir muessen ihm versprechen in unserem ganzen Leben nicht mehr nach Chile einzureisen. Wir willigen ein, die Papiere werden ausgefuellt.

Das komische an der ganzen Sache ist, je laenger der Zollbeamte schliesslich auf unsere Papiere sieht und sie ausfuellt, desto mehr entspannt sich die Situation... Als man uns spaeter alle Papiere aushaendigt, wird wieder gelacht und uns viel Glueck und alles Gute gewuenscht. Auf einmal sind alle super freundlich zu uns. Wir koennen uns das nur so erklaeren, das sie einen Fehler bei sich und nicht bei uns festgestellt haben.

Die Grenzsituationen sind oefters schonmal etwas komisch, da den Zoellnern manchmal nicht ganz klar ist, in welches Land man den nun einreisen moechte.
Staendig fragen sie uns, von welchem und in welches Land wir denn nun einreisen moechten. Sie bekommen garnicht mit, aus welcher Richtung wir denn gerade kommen. Ein wenig wunderts schon, bei vielleicht manchmal drei Zollabfertigungen an einem Tag. Manchmal sind sie sogar zu faul, in ihren Jogginghosen uns den Schlagbaum zu oeffnen, lieber sollen wir doch um das Zollhaeusschen herumfahren.
Unsere Theorie die zur Verstimmung der Beamten gefuehrt hat, ist folgende:
Obwohl wir mehrfach erklaert haben, das wir aus San Pedro de Atacama (Chile) kommen und es dort keinen weiteren Zoll gegeben hat, haben sie das wohl mit der grossen Stadt San Pedro in Argentinien verwechselt.
Das ist ihnen wohl beim genaueren Hinsehen auf die tausend Stempel selbst aufgefallen, auf jedenfall hellte sich bei allen die Stimmung wieder auf...

Nach einem Suerte (Glueck) das uns die Grenzer hinterherrufen, fahren wir weiter ueber die ueble Schotterpiste hinunter nach Salta. Vorbei fahren wir auch an einem kleinen Salzsee, wir drehen einige Runden auf dem riesigen Weiss.

Es dauert sehr lange, bis wir an Hoehe verlieren, erst kurz vor der riesen Stadt San Salvador de Jujuy beginnt der Abstieg...
Mitten durchdie Wolken fahren wir durch enge Kurven die Berge hinab, das Wetter verschlechtert sich. Abends gegen 20 Uhr erreichen wir Jujuy, nach ca. 500 gefahrenen Kilometern und freuen uns ueber ein wirklich billiges Zimmer und eine argentinische Pizza. Leider haben wir es nicht mehr bis nach Salta geschafft, dort wollten wir gerne Mirko und Bob wiedertreffen, die dort auf Ersatzteile warten.
Am naechsten morgen steuern wir Salta an, es sind nurnoch 100 Kilometer bis dorthin. Die Strecke ist ein Traum, sie verlaeuft mitten durch den Wald ueber eine geteerte Strasse. Kaum 20 meter ohne irgendeine Kurve, allerdings manchmal auch nicht ohne gefahren.... Ploetzlich stehen nach einer Kurve ca. 5 - 6 Bullen unbeeindruckt auf der Strasse, ihre Hoerner auf uns gerichtet. Irgendwie unangenehm, wir bleiben stehen... Zum Glueck kommt nach kurzer Zeit ein Jeep angefahren, in seinem Windschatten fahren wir langsam durch die Herde.

Um die Mittagszeit erreichen wir Salta, es liegt immer noch auf 1200 m Hoehe und ist umgeben von gruenen Bergen. Wir quartieren uns direkt auf dem staedtischen Campingplatz ein und finden auch die Zelte von Mirko und Bob.
Auch Harry ist mit dabei, ihn haben wir in Calafate kennengelernt. Die Freude ist gross, abends machen wir ein schoenes Asado und es geht spaet ins Bett...


In Salta bleiben wir ein paar Tage, wir muessen uns ein wenig ausruhen. Mirko und Bob sind schon 2 Wochen hier, die Ersatzteile sollen aber jeden Tag kommen.
Am 17.03.04 solls fuer uns weiter gehen, Richtung Osten zu den groessen Iguazu Wasserfaellen...

OK, das wars fuers erste...

Viele Gruesse aus Argentinien

Mark und Klaus



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